Foscam Alarmeinstellung

Bei Foscam IP-Kameras muss der Cloud-Service für das Aufzeichnen von Alarm-Fotos und -Videos teuer bezahlt werden. Das kann man sich aber ruhigen Gewissens sparen, ohne auf Bequemlichkeit verzichten zu müssen. Mit den richtigen Einstellungen zeichnet die Kamera auf einem FTP-Server auf und versendet Alarmmeldungen per E-Mail.

Vorbereitungen

Die Alarmfunktionen von Foscam IP-Kameras stellen viele Anwender vor Probleme. Für Frust sorgen Fehlalarme, keine Aufzeichnung von Fotos und Videos sowie ausbleibende Alarmmeldungen. Die Ursachen können in der Firmware der Kamera liegen, häufiger sind jedoch falsche Einstellungen ursächlich. Bevor man an den Einstellungen schraubt, sollte auf jeden Fall die Firmware der Kamera auf den neuesten Stand gebracht werden. Das klappt entweder über die Foscam-App für Android und iOS oder das Admin-Panel der Kamera im Webbrowser. Da die App nicht alle Einstellungs-Optionen unterstützt, ist das Admin-Panel grundsätzlich die bessere Wahl. Dazu gibt man im Browser die IP-Adresse der Kamera plus Portnummer ein (Bsp.: http://192.168.178.22:88). Kamera und Client müssen sich dazu im gleichen lokalen Netzwerk befinden.

Foscam Alarmeinstellung Firmware-Aktualisierung

Mac-Anwender stoßen dabei vermutlich auf ein Problem, denn der Zugriff auf die Admin-Oberfläche der IP-Cam benötigt ein Foscam-Plugin für den Safari-Browser. Das Plugin ist nur direkt von Foscam über den Link im Login-Screen des Admin-Panels zu beziehen und nicht über die Apple Safari-Erweiterungen. Das hat den Nachteil, dass das Plugin etwas umständlicher zu installieren ist und Hinweise auf Updates ausbleiben. Benutzt man unter macOS einen alternativen Browser wie Firefox oder Google Chrome, dann führt der Link zu einer EXE-Datei für Windows Betriebssysteme, die auf einem Mac unbrauchbar ist. Unter Windows ist das Plugin für alle Top-Browser erhältlich. Einige Anwender berichten allerdings von Problemen bei aktuellen Versionen des Firefox und Chrome. Zumindest beim Chrome-Browser funktionierte das Plugin unter Windows 10 problemlos.

Foscam Alarmeinstellung Plugin installieren

Hat man das Installationspaket für den Mac geladen, dann meckert macOS an, dass die Datei unsigniert sei. In diesem Fall startet man das Installationspaket über den Finder bei gehaltener CTRL-Taste mit einem Doppelklick. Danach bestätigt man das Ausführen des Pakets. Damit das Plugin funktioniert, muss man den Safari-Browser schließen und neu starten. Nach Eingabe der Login-Daten öffnet sich das Admin-Panel der Kamera und die neueste Firmware kann aufgespielt werden. Das sollte geschehen, bevor man grundlegende Einstellungen vornimmt. Der Grund: Manche Einstellungen werden nach einem Firmware-Update nicht korrekt übernommen.

Grundeinstellungen: Zugangskennung, Uhrzeit, DDNS

Vor Anpassung der Alarmeinstellungen, sollte man ein paar wichtige Grundeinstellungen vornehmen. Dazu gehört die Änderung des Benutzernamens und des Passwortes unter „Basis-Einstellungen > Benutzeraccount“ sowie des Kamera-Names unter „Basis-Einstellungen > Kamera-Name“. Letzteres erleichtert die Identifizierung bei Verwendung mehrerer Foscam IP-Kameras.

Foscam Alarmeinstellung Kameraname

Damit die korrekte Uhrzeit in Alarm-Fotos und -Videos eingeblendet wird, stellt man für Deutschland die Zeitzone auf GMT + 01:00 als Winterzeit. Zur automatischen Umstellung auf Sommerzeit muss Daylight Saving Time (DST) aktiviert und der Beginn (letzter Sonntag im März 02:00 Uhr) sowie das Ende der Sommerzeit (letzter Sonntag im Oktober 03:00 Uhr) eingegeben werden. Der Zeitversatz beträgt 60 Minuten. Da die Uhren von Foscam IP-Kameras äußerst ungenau gehen, sollte man den NTP-Server zur regelmäßigen Synchronisation der Uhrzeit aktivieren.

Foscam Alarmeinstellung Kamerazeit

Einige Anwender wundern sich, dass sie die Kamera nicht erreichen können, sobald sich der Client nicht in demselben Netzwerk befindet wie die IP-Cam. Das ist aber auch gut so, denn sonst könnten Angreifer sehr einfach von außen auf die IP-Kamera zugreifen, solange die Standardkennung für den Zugang noch nicht geändert wurde. Damit der Kamerazugriff im Browser auch unterwegs klappt, aktiviert man Dynamic Domain Name System (DDNS). Die Kamera teilt dem DDNS-Dienst die aktuelle IP-Adresse mit und ordnet ihr einer festen Domain zu. Vertraut man Foscam, dann braucht man nur den hauseigenen DDNS-Service unter „Netzwerk > DDNS“ einzuschalten. Möchte man den Dienst eines anderen Anbieters benutzen, dann funktioniert auch das. No-ip.com bietet beispielsweise einen kostenfreien DDNS-Service an. Die Domain muss allerdings einmal pro Monat über eine Webseite bestätigt werden, da sie sonst verfällt.

Foscam Alarmeinstellung DDNS

In den Einstellungen der Foscam wählt man den DDNS-Dienst aus und gibt die Zugangsdaten ein. Damit alles funktioniert, müssen der HTTP- oder HTTPS-Port für die Kamera im Router freigegeben sein. Die Port-Standardeinstellung der Foscam Kameras lautet für HTTP 88, für HTTPS 432. Bei Bedarf ändert man die Ports und erteilt im Router entsprechende Port-Freigaben. Die Foscam ist danach sowohl aus dem lokalen Netz als auch anderen Netzen beispielsweise unter https://kameraname.ddns.net:432 adressierbar.

Foscam Alarmeinstellung Port

FTP statt Foscam Cloud

Ohne Aufzeichnungsmöglichkeit in der Cloud ist eine Foscam IP-Kamera weitgehend nutzlos, denn dann nimmt sie Alarm-Fotos und -Videos lediglich lokal auf einer microSD-Karte auf. Einbrecher mit Zugriff auf die Kamera können die Speicherkarte einfach mitnehmen oder zerstören. Besser ist es deshalb, die Aufzeichnung auf einem entfernten Server vorzunehmen. Durch die physische Trennung von Kamera und Speicherort sind Beweis-Fotos und -Videos vor dem Zugriff der Einbrecher geschützt. Foscam bietet dazu einen Cloud-Service an, der zwischen 50 und 130 Euro pro Jahr kostet. Die günstigere Variante hält Videos für sieben Tage, die teurere für 30 Tage vor. Nach Ablauf der Fristen werden die Videos automatisch gelöscht. Ärgerlich, wenn man vergisst, wichtige Aufzeichnungen rechtzeitig zu sichern.

Wem die Foscam Cloud zu teuer ist und wer Aufnahmen für unbegrenzte Zeit speichern möchte, muss nicht zwangsläufig in die Röhre gucken, denn Foscam Kameras unterstützen das Sichern von Fotos und Videos auf einem FTP-Server. Besitzt man eine eigene Webseite, dann lassen sich Fotos und Videos über einen separaten FTP-Zugang auf dem Webspace ablegen. Eine Alternative ist das Einrichten eines FTP-Servers auf einem Network Attached Storage (NAS). Gänzlich kostenfrei geht es auch: Im Web bieten einige Dienstleister FTP-Server für lau an. Der Web-Service bplaced.net stellt beispielsweise einen FTP-Server mit 2 GB Speicherplatz unentgeltlich zur Verfügung.

Foscam Alarmeinstellung FTP

Egal, für welche Variante man sich entscheidet: In allen drei Fällen greift man über die Adresse des FTP-Servers, den Benutzernamen und das Passwort auf den Webspeicher zu. Die Kamera-Einstellungen findet man unter „Netzwerk > FTP-Settings“. Bei der Zugangskennung geben sich Foscam Kameras etwas zickig, wenn man allzu wilde Sonderzeichen im Benutzernamen verwendet und die maximalen Längen für den Benutzer und das Passwort missachtet. Bei Eingabe der FTP-Adresse muss zwingend ftp:// vorangestellt sein. Die Länge der Adresse ist ebenfalls eingeschränkt. Außerdem dürfen die Zeichen & und = nicht vorkommen. Der Port zur FTP-Kommunikation ist auf 21 voreingestellt. Je nach FTP-Anbieter muss man ihn anpassen. Als FTP-Modus bietet sich PASV anstatt PORT an, denn der passive PASV-Modus funktioniert auch dann, wenn eine Firewall das Netzwerk absichert. Zum Abschluss der FTP-Einstellungen überprüft man über den Test-Button die Verbindung. Ist alles ok, dann gibt man unter „Aufnahme > Speicherort“ als Aufnahmeort „FTP“ ein, außerdem unter „Video > Fotoeinstellung“ ebenfalls „FTP“ als Speicherort. Hier kann man zusätzlich die Qualität der Fotos zwischen niedrig und hoch einstellen.

Foscam Alarmeinstellung Speicherort

Alarmierung per E-Mail

Ist die Foscam App auf dem Mobiltelefon installiert, können Warnmeldungen als Push-Nachricht empfangen werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Empfang von Warnmeldungen per E-Mail. So erhält man Meldungen auch am seinem Mac oder Windows PC. Praktischerweise sendet die Kamera dann gleich drei Alarm-Fotos als Anhang mit.

Die Einstellungen für die Alarmierung per E-Mail befinden sich unter „Netzwerk > Mail-Einstellungen“. Die Kamera benötigt einen eigenen E-Mail-Account, der SMTP unterstützt. Die meisten Freemailer wie GMX und Google Mail bieten SMTP, sodass kein Geld für eine Mail-Adresse ausgegeben werden muss. Bei der Anmeldung sollte man darauf achten, dass bestimmte Zeichen im Benutzernamen und im Passwort von der Foscam Kamera nicht verarbeitet werden können. Außerdem gibt es eine Beschränkung der Zeichenlänge.

Foscam Alarmeinstellung E-Mail

Nach Aktivierung der Mail-Funktion der Foscam Kamera gibt man den SMTP-Server nach dem Muster smtp.anbieter.de und den SMTP-Port ein. Standardmäßig ist der Port auf 465 gesetzt, den die meisten Mail-Dienste verwenden. Als Transport Layer Security wählt man „TLS“ aus. Da Benutzername und Passwort für das Senden von E-Mails benötigt werden, setzt man „Login benötigt“ auf „Ja“ und gibt die Zugangskennung ein. Der E-Mail-Absender ist die Mail-Adresse der Kamera.

Alarmmeldungen können an bis zu vier Empfänger gesendet werden. Hier gibt man lediglich die E-Mail-Adresse des Empfängers ein. Nach dem Speichern der Mail-Einstellungen drückt man den Test-Button. Bei einer positiven Rückmeldung ist die Kamera für den Versand von Alarmmeldungen per E-Mail bereit.

Alarmeinstellungen

Damit die Foscam Kamera überhaupt einen Alarm auslöst, schaltet man diese Funktion unter „Detektor > Aktionserkennung“ ein. Wie sensibel die Erkennung arbeiten soll, muss man ausprobieren. In der Praxis hat sich „Mittel“ als eine gute Einstellung erwiesen. Der Abstand zwischen dem Auslösen zweier Alarme kann zwischen 5 und 15 Sekunden betragen. Die goldene Mitte bei 10 Sekunden ist praktikabel. Wer möchte, kann bei einer Alarmauslösung einen Kameraton oder bei Anzeige des Live-Videos im Browser einen Hinweiston auf dem Mac oder Windows PC wiedergeben lassen. Möchte man Alarm-E-Mails empfangen, schaltet man „E-Mail senden“ ein. „Standbild aufnehmen“ speichert in einem definierten Intervall Fotos auf dem FTP-Server, „Aufnahme“ erlaubt das Aufzeichnen von Videos. Wer möchte sendet bei einer Alarmierung eine Push-Nachricht an das Mobiltelefon.

Foscam Alarmeinstellung Aktionserkennung

Mitunter sollen nicht sämtliche Bewegungen im Kamerabild einen Alarm auslösen. In solchen Fällen definiert man die Bereiche im Bild, in denen eine Bewegung erkannt werden soll. Diese Bereiche müssen Rot markiert und mit „OK“ bestätigt werden. In manchen Fällen ergibt es Sinn, keinen Alarm auszulösen, etwa dann, wenn man sich immer wieder zur gleichen Zeit selbst im überwachten Bereich aufhält. In solchen Fällen definiert man nach Wochentagen und Uhrzeit die genauen Überwachungszeiten. Die Zeiträume der Überwachung müssen ebenfalls Rot markiert sein.

Foscam Alarmeinstellung Bild-Detektor

Die gleichen Einstellungen sind unter „Sound-Erkennung“ zu finden. Ist die Erkennung aktiviert, löst ein Alarm aus, sobald das integrierte Mikrofon einen Ton über einen definierten Schwellwert erfasst. Besonders zuverlässig arbeitete diese Funktion aber bei meinen Foscam Kameras nicht.

Stolperstein PIR-Sensor

Mancher Benutzer von Foscam IP-Kameras klagt darüber, dass die Alarmierung trotz korrekter Kamera-Einstellungen nicht richtig funktioniert. Die beliebte und recht preiswerte Foscam C1 IP-Kamera ist ein gutes Beispiel dafür. Was die wenigsten wissen: Die Kamera löst einen Alarm nicht nur über Veränderungen in definierten Bildbereichen aus, sondern benutzt zusätzlich einen passiven Infrarot-Sensor (PIR). Der Sensor erfasst bis zu einer Entfernung von wenigen Metern die Wärmestrahlung größerer Lebewesen wie Mensch, Hund und Katze und kann deshalb gut zur Bewegungserfassung verwendet werden.

Foscam Alarmeinstellung C1 PIR

Alleine für sich sind Bildveränderungs-Detektoren nämlich nicht besonders praktisch. Schon eine Fliege, die durchs Bild summt, kann einen unerwünschten Alarm auslösen. Um die Alarmierung etwas zuverlässiger zu machen, kombiniert Foscam in einigen seiner Kameras beide Detektionstechniken. Nur wenn sich eine Bildveränderung ergibt und gleichzeitig ein größeres Lebewesen über den PIR-Sensor erkannt wird, löst der Alarm aus. Was sich erstmal gut anhört, hat in der Praxis einen Haken: PIR-Sensoren können die Wärmestrahlung nicht durch Glasscheiben erfassen. Häufig werden Foscam Innenkameras wie die C1 aber in Innenräumen hinter Fenstern eingesetzt, um Außenbereiche durch Fenster zu überwachen. In solchen Fällen erfolgt keine Alarmierung, wenn jemand durchs Bild läuft. Da viele Anwender dieses Verhalten der Foscam IP-Kameras nicht kennen, ärgern sie sich über einen Defekt oder eine unzuverlässig arbeitende Alarmfunktion. Deshalb: Indoor-Kameras mit PIR nur in Innenräumen einsetzen, wenn eine Alarmauslösung gewünscht ist. Durch eine Scheibe taugen diese Kameras nur zur Sichtüberwachung.

Fazit

Foscam IP-Kameras funktionieren auch ohne Foscam Cloud. Ein FTP-Server und ein SMTP-E-Mail-Account reichen aus, um Fotos und Videos bei einer Alarmauslösung auf Webspeicher aufzunehmen und per Mail zu alarmieren. Die passenden Einstellungen sind in wenigen Minuten erledigt. Fehlalarme treten bei richtiger Konfiguration sehr selten auf. Falls gar kein Alarm ausgelöst wird, dann liegt es daran, dass Foscam Indoor-Kameras mit PIR-Sensor für eine Überwachung von Außenanlagen durch eine Fensterscheibe eingesetzt werden, der Sensor durch Glas aber nicht funktioniert.