Test MacBook 12

Elf Zoll sind für viele Anwender zu klein, ein 13 Zoll MacBook ist zu groß, um es jeden Tag unterwegs dabei zu haben. Da liegt die goldene Mitte mit einem 12 Zoll großen Retina-Display nahe. Herausgekommen ist das MacBook 12″, das Apple auf minimale Abmessungen und ein geringes Gewicht getrimmt hat. Auf einen leistungsfähigen Prozessor hat man verzichtet und stattdessen einen Intel Core M eingebaut, sodass auch gleich der Lüfter entfallen kann. Ob die Akkulaufzeit durch diese Stromsparmaßnahmen wirklich ins Grenzenlose geht, die extrem flache Tastatur und das rüttelnde TouchForce-Trackpad neue Maßstäbe setzen können, haben wir uns genau angesehen.

Das Auge isst mit

Die Verarbeitungsqualität der Apple MacBooks ist unerreicht. Punkt. Eigentlich könnte man es dabei belassen. Denn das gilt auch für das MacBook 12″. Das Aluminiumgehäuse ist sehr präzise verarbeitet, das Oberflächen-Finish fantastisch. Trotz der geringen Bauhöhe von 13,1 mm hinten bis 3,5 mm im Frontbereich ist es im zusammengeklappten Zustand verwindungssteif und wirkt stabil. Wir haben das MacBook 12″ in Space Grey im Test, als weitere Farbgebungen sind Gold und das klassische MacBook-Silber erhältlich. Die erste Auffälligkeit: Plastik wie bei einem MacBook Air gibt es von außen nicht mehr zu sehen, selbst das Display-Scharnier des 12ers ist von Aluminium verdeckt. Dadurch wirkt das MacBook insgesamt wertig und unterstreicht den Luxusanspruch, den sich Apple seit geraumer Zeit auf die eigene Fahne geschrieben hat. Das Gewicht liegt bei unserem Modell mit Intel Core M-5Y31, 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB SSD bei 920 g. Das ist so gering, dass das MacBook 12″ in einer Aktentasche oder einer größeren Clutch kaum stört.

MacBook12 zugeklappt

Retina an Bord

Als Anzeige hat Apple ein 12 Zoll großes IPS-Display im Office-freundlichen 16:10-Format mit einer Auflösung von 2304 x 1440 Bildpunkten verbaut. Das entspricht einer Pixeldichte von 226 dpi. Die Darstellung ist dadurch sehr scharf, einzelne Pixel nur bei sehr genauem Hinsehen auszumachen, sodass sich die Anzeige zu Recht Retina-Display nennen darf. Die Auflösung wird sinnvollerweise nicht 1:1 genutzt, sondern wie bei allen Retina-Displays von Apple skaliert. Apple hat die Auflösung dabei nicht wie üblich halbiert, sondern sich als Standardeinstellung für die WXGA-Auflösung von 1280 x 800 Bildpunkten entschieden. Entsprechend wird das Bild interpoliert, was die Darstellungsqualität aber im Vergleich zur halbierten nativen Auflösung nicht negativ beeinträchtig. Auf dem Desktop ist bei der WXGA-Auflösung deutlich mehr Platz als bei einer Auflösung von 1152 x 720 Bildpunkten.

MacBook12 aufgeklappt

Die Leuchtdichte liegt bei unserem Testmodell bei maximal 335 cd/m2. Das ist gut, aber für ein MacBook, das ständig mobil bei allen denkbaren Lichtverhältnissen eingesetzt werden könnte, nicht optimal. Spiegelungen können zwar weitgehend von der Hintergrundbeleuchtung überstrahlt werden, in manchen Situationen reicht die Luminanz trotzdem nicht aus. Dann hilft nur noch, eine andere Arbeitsposition zu finden, damit das Display besser ablesbar ist. Das Kontrastverhältnis liegt bei etwa 1096:1 und ist damit genau so gut wie der Farbraum, der ungefähr sRGB entspricht. Gut gefallen die Blickwinkel, in der Vertikalen könnten sie ruhig etwas höher ausfallen. Wer aber vor dem Display nicht rumzappelt, dürfte mit einem Blickwinkel von knapp 90 Grad gut auskommen.

MacBook12 Vergleich MacBook 13

Der Anschluss eines externen 4K-Displays mit 3840 x 2160 Pixeln Auflösung ist über einen Adapter am USB-C-Port möglich, unterstützt wird dann eine Bildwiederholfrequenz von 30 Hertz.

Lüfterlose Leistung

Im Inneren arbeitet ein Intel Core M-5Y31 bei 1,1 GHz Takt zusammen mit 8 GB DDR3-1600 Arbeitsspeicher. Beides ist nicht austauschbar. Die beiden CPU-Kerne takten mit Tubo Boost auf maximal 2,4 GHz. Das hört sich nach viel an, ist es aber nicht. Denn die Leistung des MacBook 12″ fällt im Vergleich zu den Intel Core-i getriebenen MacBook Airs der letzten drei Jahre eher mau aus. Für Office-Anwendungen wie Pages, Numbers und Keynote sowie Websurfen und Mailen reicht das, wird aber mehr Leistung abgerufen, läuft die CPU recht schnell heiß und taktet herunter, damit sie nicht aufbruzzelt. Grund für das Heißlaufen ist der fehlende Lüfter, der den Prozessor kühlen und damit dauerhaft auf ein höheres Leistungsniveau halten könnte. Das MacBook 12″ arbeitet durch den fehlenden Lüfter zwar in allen Lastzuständen völlig geräuschlos, aber was nützt es, wenn schon einfache Grafikberechnungen oder Videoschnitt die CPU in einen Dämmerzustand versetzen?

MacBook12 Seitenansicht aufgeklappt

Jenseits der synthetischen Benchmarks geht „gefühlt“ vieles schneller. Tatsächlich liegt das an der fest verbauten, rasanten PCIe-x4-SSD, die über einen eigens von Apple entwickelten NVMExpress-Host-Controller angesteuert wird. Damit ergibt sich eine Lese-Rate von überragenden 844 MByte/s und eine gute Schreibrate von etwa 462 MByte/s.

MacBook12 Vergleich MacBook 13 Seitenansicht

Die integrierte Intel HD Graphis 5300 Grafikkarte ist für allgemeine Office-Aufgaben mehr als ausreichend, an 3D-Spiele sollte man allerdings nicht denken. Dafür ist das MacBook 12″ aber ohnehin nicht gedacht.

Gutes noch besser gemacht: Tastatur und Trackpad

Ein so flaches MacBook hat kaum Platz für große Eingabegeräte. Apple hat es trotzdem geschafft, eine vollwertige Tastatur (ohne Nummernblock) mit 19-Millimeter-Raster unterzubringen. Die Tastatur musste aber in der Höhe flacher ausfallen, was durch eine neue Tastenmechanik nach dem Butterfly-Prinzip erreicht wird. Als positiver Nebeneffekt dieser Technik ist es egal, ob man eine Taste genau mittig drückt oder nur den Rand trifft: In jedem Fall wird ein Tastendruck erkannt. In der Praxis arbeitet, die Tastatur tatsächlich extrem zuverlässig. Für Schnellschreiber, die manchmal ungewollt daneben langen und dann einen Buchstaben verlieren, ist die neue Tastatur eine echte Wohltat. Man muss sich aber erst an sie gewöhnen. Denn die Tasten haben einen extrem kurzen Hub, keinen spürbaren Druckpunkt und einen Anschlag als würde man auf Beton tippen. Das Feedback erfolgt weitgehend akustisch, denn die Tasten klappern ziemlich laut. Im mobilen Einsatz beispielsweise im Flugzeug oder in der Bahn könnte das empfindliche Sitznachbarn stören.

MacBook12 Tastenhoehe

Das Trackpad in allen Apple MacBooks ist mit Abstand der beste Mausersatz. Kann man soetwas überhaupt noch verbessern? Ja, Apple kann. Das große Problem des bisherigen Trackpads war der Klickmechanismus. Zwar kann man einen linken oder rechten Mausklick auch mit einem Ein- oder Zwei-Finger-Tap auslösen, Eingaben, bei denen man etwas Ziehen muss, wie beispielsweise beim Auswählen eines Bildauschnittes, Textmarkierungen oder Fensterverschiebungen, funktionieren aber nur sinnvoll mit gleichzeitigem mechanischen Drücken des Touchpads. Dabei muss man in der oberen Hälfte mehr Kraft aufwenden als in der unteren Hälfte. Präzises Ziehen ist so nicht möglich und erfordert Kräfte, die sich in Form eines durchgebogenen Fingers bemerkbar machen.

MacBook12 Trackpad

Das neue Trackpad im MacBook 12″ arbeitet nicht mehr mit einer mechanischen Aufhängung. Das gesamte Trackpad ist eine feste Fläche. Na ja fast, denn etwas durchdrücken lässt sich das Trackpad schon. Ein Klick wird per ForceTouch durch festeres Aufdrücken auf der Sensorfläche ausgelöst. Eine elektromagnetische Mechanik klopft dann von unten an die Trackpad-Fläche. Der Anwender erhält dadurch das Gefühl vermittelt, er habe das komplette Trackpad heruntergedrückt. Der Vorteil: Egal, an welcher Stelle man auf das Trackpad drückt, ist der benötigte Kraftaufwand überall gleich. Die Stärke von ForceTouch kann vom Anwender in drei Stufen eingestellt werden. Insgesamt eine geniale Idee, die das ohnehin schon hervorragende Trackpad der MacBooks in neue Bediensphären katapultiert.

Eins noch

Auf Schnittstellen hat Apple beim MacBook 12″ weitgehend verzichtet. Genau genommen gibt es nur zwei: einen Headset-Anschluss und einen USB-C-Port. An Letzteren schließt man kompatible Peripherie an. Für alte USB-Geräte benötigt man einen USB-C Digital AV Multiport Adapter, den sich Apple mit 89 Euro recht teuer bezahlen lässt. Er bietet neben einer herkömmlichen USB-Buchse noch Anschlüsse für HDMI und einen USB-C-Port. Der ist notwendig, wenn man USB-C-Geräte nutzen und gleichzeitig das MacBook laden oder am Stromnetz benutzen möchte. Will man nur einen Monitor anschließen, dann tun es auch ein spezielles (teures) Anschlusskabel. Die USB-C-Schnittstelle läuft dann im Target-Display-Modus. Wer einen VGA-Monitor anschließen will, muss den USB-C-VGA-Multiport-Adapter kaufen – für ebenfalls 89 Euro.

MacBook12 links

Für die wenigen Schnittstellen im MacBook 12″ musste Apple viel Prügel einstecken. Denkt man jedoch vorurteilsfrei darüber nach, dass es hauptsächlich mobil für Office-Tätigkeiten eingesetzt wird, der Akku einen gesamten Arbeitstag ohne Aufladen übersteht und in Zeiten der Cloud USB-Sticks und externe Festplatten ein Anachronismus sind, dann reicht eine Schnittstelle im praktischen Einsatz völlig aus.

MacBook12 rechts

Der Ton macht die Musik

Beim MacBook 12″ wirkt der Klang kräftig. Bässe sind nicht vorhanden. Wichtiger sind aber für die Differenzierung ordentliche Mitten und Höhen, die ansatzweise vorhanden sind. Verzerrungen treten erst bei höherer Lautstärke auf. Dann ist vom guten Klang nicht mehr viel übrig. Möchte man ernsthaft Musik hören, sollte man ein paar ordentliche Aktiv-Lautsprecher anschließen. Dann macht der neue Musik-Streaming-Dienst Apple Music auch am 12er MacBook Spaß.

MacBook12 Lautsprecher

Akkus satt

Apple hat im MacBook 12″ jeglichen verfügbaren Raum mit Akkus im Sandwich-Prinzip sogar bis in die schmale Frontspitze hinein ausgenutzt. Zusammen mit dem sparsamen 5-Watt-Prozessor und der frühen Taktdrosselung ergeben sich hervorragende Laufzeiten. Bei etwa 70 Prozent Helligkeit und Leistungsabruf in der Größenordnung einer Textverarbeitung reicht der Akku für rund 11,5 Stunden Dauerbetrieb. Damit eignet sich das MacBook 12″ hervorragend für den mobilen Einsatz und hält tatsächlich einen gesamten Arbeitstag durch, ohne an die Steckdose zu müssen. Ist es dann doch mal soweit, dann dauert es etwa vier Stunden bis der Akku mit dem 29-Watt-USB-C-Netzteil wieder geladen ist – also nicht viel länger als bei einem iPad Air 2.

MacBook12 Rueckseite

Fazit

Das MacBook 12″ ist kein überteuertes Netbook mit OS X. Es bietet modernste Technik in extrem kompakter Form bei einem geringen Gewicht. Das 12-Zoll-Retina-Display, die vollwertige Tastatur und das geniale Trackpad mit ForceTouch sowie die lange Akkulaufzeit prädestinieren es für die mobile Office-Nutzung. Für sehr viel mehr als für Pages & Co. taugt der langsame Prozessor ohnehin nicht. Die schnelle SSD sorgt für ein flüssiges Arbeitsgefühl. Dass das MacBook 12″, vom Audio-Anschluss mal abgesehen, lediglich über eine einzelne USB-C-Schnittstelle verfügt, dürfte nur diejenigen stören, die es auch als Desktop-Ersatz mit einem Monitor und zusätzlicher Peripherie einsetzen wollen. Dann kommt man um einen teuren Adapter nicht herum.

MacBook12 Draufsicht

Technische Daten MacBook 12

Display12 Zoll IPS (LED), 2304 x 1440 Pixel (226 dpi), 16:10
ProzessorIntel Core M-5Y31, Dual Core (1,1 - 2,4 GHz)
GrafikIntel HD Graphics 5300
Arbeitsspeicher8 GB DDR3-1600 (onboard)
Massenspeicher256 GB Apple SSD, PCIe x4, NVMExpress
KonnektivitätWLAN 802.11 a/ac/b/g/n, Bluetooth 4.0
SchnittstellenHeadset, USB-C
Weitere AusstattungFaceTime-Kamera (480p), 2 x Mikrofon, ForceTouch Trackpad, vollwertige Tastatur (beleuchtet), OS X 10.10
Akku / LaufzeitLithium-Polymer, 39,7 Wh / ca. 11,5 Stunden bei einfacher Last
Betriebsgeräusch0 db(A)
Abmessungen / Gewicht280,5 x 196,5 x 3,5 - 13,1 mm / 920 g