Test Parrot Mini Drone Rolling Spider

Sie fliegt und sie rollt, nicht nur auf dem Boden, sondern manchmal auch Wände hoch oder unter Wohnungsdecken entlang: die Mini Drone Rolling Spider von Parrot. Was im Parrot Werbevideo spielend leicht aussieht, verlangt im echten Leben nach einem versierten Piloten. Aber selbst dann klappt nicht alles, denn die Drohne weist noch ein paar hardware-spezifische Tücken auf.

Drinnen statt draußen

Packung auf und starten. Von dieser Vorstellung sollte man sich verabschieden, denn die Parrot Mini Drone Rolling Spider ist ähnlich schwer zu fliegen, wie die größere AR.Drone 2.0 von Parrot. Verwundern tut das nicht, denn beide Quadcopter ähneln sich im Aufbau, in der Stabilisierungselektronik und der Steuerung wie zweieiige Zwillinge. Die Fernbedienungs-Apps für Apple iPhone, iPad oder Android Devices sind zwar für beide Drohnen unterschiedlich, die Steuerungsumsetzung ist aber identisch. Unterschiede gibt es lediglich bei der Übertragung der Steuersignale: Während die AR.Drone 2.0 über WLAN fernbedient wird, empfängt der Rolling Spider seine Steuerkommandos über Bluetooth 4.0. Trotz der Ähnlichkeit beider Quadcopter hat die Parrot Mini Drone ein paar entscheidende Vorteile gegenüber dem größeren Schwesternmodell: Sie ist leichter, kompakter und dadurch potenziell unanfälliger bei Abstürzen. Außerdem lässt sich der Rolling Spider bequem im Wohnzimmer fliegen, vorausgesetzt der Pilot hat etwas Übung. So ist man von Wind und Wetter unabhängig und kann die Mini Drone sogar als Indoor-Trainingsgerät für die große AR.Drone 2.0 einsetzen, die ausschließlich für’s Draußenfliegen oder den Betrieb in einer Halle geeignet ist.

Parrot Rolling Spider im AR Drone 2.0 Huckepack

Erster Eindruck

Auf rund 55 Gramm Fluggewicht bringt es die Parrot Mini Drone Rolling Spider. Das Grundgerüst mit Abmessungen von etwa 95 x 95 x 30 mm besteht aus stabilem Kunststoff, das je nach gewähltem Modell von Plastikelementen in Weiß, Blau oder Rot gestützt wird und die Elektronik, den Akku und die vier Motoren aufnimmt.

Parrot Rolling Spider Schrägansicht

Mit den beiliegenden Aufklebern in Form unterschiedlicher Münder verpasst man dem Rolling Spider ein individuelles Gesicht. Vier Elektromotoren treiben die Mini-Drohne an. Die Propeller bestehen aus flexiblem Kunststoff, damit sie bei etwaigen Abstürzen nicht so leicht brechen. Insgesamt macht der Rolling Spider einen stabilen Eindruck.

Aufkleber mit Mündern für den Parrot Rolling Spider

Bevor allerdings der Jungfernflug beginnen kann, legt Parrot dem Drohnenpiloten ein paar Steine in den Weg. Die beiliegende Papieranleitung kann man getrost in die „Ablage rund“ wandern lassen. In ihr steht nichts Substanzielles zur Inbetriebnahme oder gar Steuerung des Rolling Spiders. Stattdessen wird auf die Parrot-Support-Seite im Web verwiesen. Dort war zum Testzeitpunkt allerdings keine erbauliche Hilfestellung zu finden. Lediglich drei englischsprachige Videos helfen ein wenig bei der Einrichtung und geben eine Kurzeinweisung in die Steuerung. Hinweise zum Laden des Akkus und Infos zum Firmware-Update über die App? Fehlanzeige! Zwar gibt es noch ein paar Info-Häppchen zum Rolling Spider auf der Support-Seite und dem Parrot-Blog, besonders hilfreich sind sie aber nicht. Aber keine Angst, dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie man den Rolling Spider vorbereitet, in die Luft bringt, steuert und etwaige Tücken umschifft.

Parrot Rolling Spider Draufsicht

Akku laden – aber richtig

Los geht’s mit dem Laden des 550-mAh-Akkus. Ihn schiebt man in die Drohne ein, bis er einrastet. Zum Laden des Akkus schließt man das beiliegende Micro-USB-Kabel an den Rolling Spider an. Da kein Ladegerät mitgeliefert wird, muss man die Mini Drone entweder an einem USB-Port eines Macs oder Windows PCs aufladen oder auf ein vorhandenes USB-Ladegerät zurückgreifen. Aber Vorsicht: Parrot verschweigt in der Anleitung, dass maximal mit 1 A bei 5V Ausgangsspannung geladen werden darf. Ersichtlich ist das lediglich aus einem winzigen Hinweis auf dem Akku. Einige USB-Ladegeräte liefern einen deutlich höheren Ausgangsstrom, manche USB-Ladegeräte für Tablets auch eine höhere Ausgangsspannung. Sie sollte man nicht verwenden, da Schäden an der Elektronik und dem Akku des Rolling Spiders auftreten können. Zusätzlich kommt es bei Ladegeräten mit höherem Ausgangsstrom zu einem unerwünschten Nebeneffekt: Der Akku wird zwar in kurzer Zeit vollgepumpt, aber die Akkuladung reicht dann nur für zwei bis dreiminütige Flugzeiten aus.

Akkuschacht des Parrot Rolling Spider

Akku des Parrot Rolling Spider einschieben

Im Test hat sich das Aufladen mit einem 1A/5V-USB-Ladegerät als optimal herausgestellt. Zwar dauert der Ladevorgang mit rund 84 Minuten recht lange, aber die Kapazität des Akkus reicht dann für Flugzeiten zwischen sieben bis acht Minuten. An einem USB-Port eines MacBook Airs fiel die Ladezeit mit 85 Minuten in etwa gleich aus. Als hilfreich entpuppt sich beim Laden die Ladekontrollanzeige über die LED-Augen des Rolling Spiders: Während des Ladevorgangs leuchtet das rechte Auge rot. Sobald die LED erlischt, ist der Akku vollständig aufgeladen.

Parrot Rolling Spider mit Ladegerät laden

Freiflug mit Freeflight 3

Zur Steuerung des Rolling Spiders dient die Freeflight 3 App, die kostenfrei im Apple App Store oder für Android-Geräte im Google Play Store erhältlich ist. Eine Variante für Windows Phone soll in Kürze folgen. Im Test verwendeten wir die Version 3.0.22 auf einem Apple iPhone 5 und einem iPad Air (2013), die jeweils mit iOS 7.1.2 Betriebssystem ausgestattet waren. Andere iPhones oder iPads, Android Smartphones oder Tablets können ebenfalls zur Steuerung eingesetzt werden, sofern sie Bluetooth 4.0 (Low Energy) unterstützen. Bei Apple ist das ab iPhone 4s und iPad 3 der Fall, bei aktuellen Android Smartphones wie dem Samsung Galaxy S5, HTC One (M8), LG G2 und Sony Z2 ebenfalls. Eine komplette Kompatibilitätsliste stellt Parrot auf seiner Webseite zur Verfügung.

Freeflight 3 App für Parrot Rolling Spider

Firmware-Update: Warten auf Rolling Spider

Die Freeflight App dient nicht nur zur Steuerung, sondern auch zum Einspielen von Firmware-Updates. Neue Updates sollte man auf jeden Fall installieren, da sie Fehler beseitigen, das Flugverhalten verbessern oder dem Rolling Spider zusammen mit einer neuen Freeflight App gegebenenfalls neue Funktionen spendieren. Die Firmware lädt man in wenigen Sekunden auf das iPhone oder iPad herunter. Danach stellt man eine Verbindung zum Rolling Spider her. Dazu muss am iOS-Device Bluetooth aktiviert, der Akku der Mini Drone voll aufgeladen und die Drohne einsatzbereit sein. Ersichtlich ist die Einsatzbereitschaft an den beiden grünen LED-Augen. Um das zu erreichen, schaltet man den Rolling Spider mit dem kleinen Taster an der Unterseite ein.

Taste an der Unterseite des Rolling Spiders

Ist noch kein Akku eingelegt, schiebt man ihn in den Quadcopter und die Drohne stellt selbsttätig die Bereitschaft her. Die Augen leuchten erst rot und wechseln kurz darauf zu Grün. Ist alles richtig konfiguriert, wird zwischen dem iPhone/iPad und der Mini Drone automatisch eine Bluetooth-Verbindung aufgebaut und das Firmware-Update auf den Rolling Spider übertragen. Das dauert etwa 25 bis 30 Minuten. Bricht die Verbindung zwischendurch ab, dann macht das nichts: Sobald die Unterbrechung behoben ist, setzt die Übertragung des Updates an gleicher Stelle fort. Der eigentliche Update-Prozess startet nach erfolgreicher Übertragung automatisch. Dabei blinken die Augen des Rolling Spider abwechselnd gelb, zum Ende hin immer schneller. Danach fährt die Drohne neu hoch. Sobald die Augen grün leuchten, ist sie startbereit.

Firmware-Update Parrot Rolling Spider

Parrot Rolling Spider mit grünen Augen

Wem das zu lange dauert, der lädt ein Firmware-Update von der Parrot Support-Seite mit einem Mac oder Windows PC herunter und spielt das Update über eine USB-Verbindung ein. Dazu reicht es aus, die Update-Datei in das Root-Verzeichnis des Rolling Spiders zu kopieren und den Rolling Spider danach von der USB-Schnittstelle sicher zu trennen. Das Update läuft dann automatisch ab und dauert insgesamt etwa eine Minute. Im Test kam die Firmware-Version 1.0.80 zum Einsatz.

Fernbedienung

Bevor man mit dem ersten Flug beginnt, sollte man sich mit den drei Steuerungsoptionen der Freeflight App Normal, Ass und JoyPad auseinandersetzen. Welche Steuerungsart man wählt, ist letztlich Geschmackssache, denn jeder Modus hat seine Vor- und Nachteile. Für alle gleich ist, dass die Steuerung mit den Daumen über virtuelle Steuerknüppel auf dem Touchscreen erfolgt. Je nachdem, wie gleitfähig die Oberfläche ist und wie gut der Touchscreen des Steuergerätes reagiert, fällt die Steuergenauigkeit unterschiedlich aus. Durch das fehlende haptische Feedback ist so oder so keine präzise Steuerung möglich, wie sie mit klassischen Modellfernbedienungen erreicht wird, denn die Position des Steuerknüppels kann über den Touchscreen nicht ertastet werden.

iPhone-Steuerung des Parrot Rolling Spiders

1. Der Normal-Modus

Normal-Modus des Parrot Rolling Spider

Im Normal-Modus wird mit einem einzelnen virtuellen Steuerknüppel gesteuert, über den die Drehzahl der Motoren und damit die Flughöhe des Rolling Spiders bestimmt wird. Zusätzlich wird mit ihm die Drehung um die Hochachse ausgeführt. Die Neigungssteuerung um Quer- und Längsachse erfolgt über die Bewegungen des Steuergerätes. Dabei werden die internen Lagesensoren des Steuergerätes verwendet. Hält man einen virtuellen Button gedrückt und neigt gleichzeitig das Steuergerät nach vorne, links, rechts oder hinten, dann fliegt die Drohne in die entsprechende Richtung. Diese Steuerung mag für den Anfänger zwar einfach erscheinen, arbeitet aber sehr ungenau. Außerdem reagiert die Mini Drone nur mit Verzögerung. Ein präzises Steuern ist damit kaum möglich, sodass der Normal-Modus nicht für Flüge in kleinen Räumen geeignet ist.

2. Der Ass-Modus

Ace-Modus des Parrot Rolling Spider

Der Ass-Modus hört sich zwar wie ein Modus für Fortgeschrittene an, ist er aber nicht. Prinzipiell arbeitet er genauso wie der Normal-Modus: Auf dem virtuellen Steuerknüppel sind Drehung um die Hochachse und Höhenkontrolle untergebracht. Die Bewegungsrichtung wird über die Neigung des Steuergerätes bestimmt. Allerdings muss man nicht erst einen Knopf gedrückt halten, damit der Rolling Spider reagiert. Man kann die Drohne also mit nur einem Daumen steuern. Für das schnelle Drehen um 90 oder 180 Grad nach links oder rechts dient ein Steuerkreuz. Auch in diesem Modus reagiert die Mini Drone verzögert. Präzises Steuern ist kaum möglich, sodass sich dieser Modus lediglich für das Fliegen in großen Räumen oder Draußen eignet.

3. Der JoyPad-Modus

JoyPad-Modus des Parrot Rolling Spider

Die Drohne wird im JoyPad-Modus über zwei virtuelle Steuerknüppel fernbedient. Der eine kontrolliert die Flughöhe und Drehung um die Hochachse, der andere bestimmt die Neigung über die Quer- und Längsachse und damit die Flugrichtung. Diese klassische Steuerung kommt besonders Piloten entgegen, die bereits mit anderen Flugmodellen wie beispielsweise Helikoptern Erfahrung gesammelt haben. Der JoyPad-Modus erlaubt nach einer Eingewöhnungsphase eine genaue Steuerung des Rolling Spiders, krankt aber am fehlenden haptischen Feedback.

Jeder dieser Modi erlaubt ein Vertauschen der Bedienelemente, sodass Links- und Rechtshänder jeweils die bevorzugte Belegung der Steuerknüppel für ihre starke Hand festlegen können.

Start frei

Vor dem Start sollte man den Rolling Spider möglichst waagerecht auf den Boden stellen und den Knopf zur Trimmung drücken. So werden die internen Sensoren zur Bestimmung der Fluglage geeicht. Unterlässt man das, zieht der Quadcopter beim Start möglicherweise zur Seite und stürzt ab. Der Start erfolgt einfach per Knopfdruck. Die Motoren laufen selbstständig auf die notwendige Drehzahl an, und die Drohne verharrt kurz darauf in etwa einem Meter Höhe in der Luft. Der Quadcopter kann während des Starts leichte Seitenbewegungen vollführen. Die Startfläche sollte deshalb groß genug sein und sich keine Gegenstände oder Wände in unmittelbarer Nähe befinden. Etwas beindruckender gelingt der Start aus der Hand. Dazu drückt man zunächst den Freefall-Takeoff-Button. Die abwechselnd rot und grün blinkenden Augen des Rolling Spiders signalisieren, dass er für einen Handstart bereit ist. Es reicht dann aus, den Quadcopter in die Luft zu werfen. Das sollte man aber vorsichtig tun und ihn nicht unkontrolliert in die Luft schleudern, denn dann ist ein Absturz vorprogrammiert.

Parrot Rolling Spider im Schwebeflug

Die Rotoren machen bereits im Schwebeflug einen Heidenlärm. Bei Drehbewegungen insbesondere um die Hochachse kommt noch ein Pfeifen hinzu. Die Steuerung verlangt dem Piloten aufgrund des fehlenden haptischen Feedbacks des Touchscreens einiges an Geschick ab. Selbst erfahrene Modellpiloten sollten die Sache deshalb erstmal langsam angehen lassen und sich mit der Steuerung vertraut machen.

Parrot Rolling Spider mit Rädern

Für Anfänger bietet es sich zusätzlich an, das mitgelieferte Fahrgestell mit den zwei großen Kunststoffrädern zu montieren. Es wird mit einem kurzen Handgriff an der Oberseite der Drohne eingeklinkt. Die großen Räder schützen den Quadcopter bei Kollisionen mit Wänden und anderen Gegenständen. Außerdem erlaubt der Rolling Spider damit auf dem Boden und an Wänden und Decken entlangzurollen. Dazu muss man dem Rolling Spider über die Freeflight 3 App erst mitteilen, dass Räder montiert wurden. Um Rumrollen zu können, bedarf es einiger Übung. Der Normal- und Ass-Modus sind dazu gut geeignet, noch besser funktioniert es im JoyPad-Modus, da er präziser arbeitet. Man kann die Steuerungsoptionen in der Freeflight 2 App auch während des Fluges umschalten.

Keine Angst vor Crashs

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, Drohnen aber schon. Selbst wenn man beim Fliegen sehr vorsichtig ist, sind gelegentliche Abstürze unvermeidbar. Der Rolling Spider stabilisiert sich zwar selbst und hält dank Ultraschall-Sensor auch recht genau die Höhe beim Schwebeflug ein, allerdings steigt und sinkt die Mini Drone manchmal ohne Steuerbefehl oder schwankt seitlich hin und her. Steuert man nicht rechtzeitig entgegen, kommt es möglicherweise zu einer Kollision, die zum Absturz der Drohne führt. Wind mag der Rolling Spider gar nicht. Bereits leichte Zugluft in Innenräumen führt zum Abdriften. Entsprechend hat man draußen nur bei absoluter Windstille seine Freude an der kleinen Drohne. Das sollten besonders Anfänger beachten, die bei ihren ersten Flugversuchen den Rolling Spider im Freien betreiben wollen, um etwas mehr Platz zu haben. Merke: Wind ist ein Gegner, kein Freund.

Ultraschall-Sensor des Parrot Rolling Spiders

Glücklicherweise ist der Parrot Rolling Spider hart im Nehmen. Selbst die filigran wirkenden Rotoren verkraften so manche Feindberührung mit Wänden und Gegenständen, Dabei hilft, dass die Motoren bei Berührung abschalten. Im Test klappte das allerdings nicht immer, wie ich selbst schmerzhaft feststellen musste. Nicht allzu harte Zimmerpflanzen werden gnadenlos vom Rolling Spider abgemäht, ohne dass die Motoren ausgehen. Im Notfall hilft der Emergency-Button, um die Motoren sofort abzuschalten. Die Propeller lösen sich bei einem Absturz mitunter komplett ab, bleiben aber aufgrund ihrer Flexibilität heil. Sie lassen sich problemlos wieder aufstecken. Dabei sollte man darauf achten, dass die Rotoren nicht nur komplett auf der Motorachse sitzen, sondern auch auf dem richtigen Motor. Quadcopter sind mit jeweils zwei Paaren gegenläufig verdrehter Rotoren (links- und rechtsläufig) ausgestattet, die Diagonal zueinander montiert sind. Steckt man die Propeller auf den falschen Motor, hebt der Quadcopter entweder gar nicht ab oder crasht kurz nach dem Start.

Abgenommer Rotor beim Rolling Spider

Beschädigter Rotor des Rolling Spider

Um Abstürze zu vermeiden, sollte man den Rolling Spider weniger aggressiv einstellen und die maximale Neigung und die vertikale Geschwindigkeit in den Einstellungen verringern. Die Drehgeschwindigkeit um die Hochachse spielt keine große Rolle, kann bei Bedarf aber auch verringert werden.

Geschwindigkeitseinstellung der Freeflight 3 App des Parrot Rolling Spiders

Wer möchte stellt die maximale Flughöhe in Innenräumen deutlich unter Zimmerdeckenhöhe ein, um eine Kollision zu vermeiden. Verlassen sollte man sich auf die Höhenbegrenzung aber nicht, denn der Ultraschall-Sensor bestimmt die Höhe nicht genau genug und lässt sich durch Erhebungen auf dem Boden wie beispielsweise einem Tisch oder andere Gegenstände leicht täuschen. Möchte man den Rolling Spider unter der Decke rollen lassen, darf man die Flughöhe nicht begrenzen.

Einstellung der Höhenbegrenzung Parrot Rolling Spider

Rolle rückwärts

Besonders beeindruckend für Zuschauer sind Flips. Schließlich weiß das Publikum nicht, dass man nur zweimal hintereinander auf den Touchscreen tippen muss, damit der Rolling Spider einen Überschlag nach vorne, hinten, links oder rechts ausführt. Ein kleines Menü erlaubt die Voreinstellung der jeweiligen Richtung. Eine Änderung ist während des Fluges jederzeit möglich.

Auswahl der Flips beim Parrot Rolling Spider

Die Steuerung mit einem iPhone gelingt recht gut, mit einem iPad fällt sie eher zäh aus. Mitunter reagieren die virtuellen Steuerknüppel nicht ausreichend schnell genug. Besser man nutzt deshalb ein iPhone zur Fernbedienung des Rolling Spiders. Gut funktioniert die automatische Verbindungsherstellung zwischen Rolling Spider, iPhone oder iPad. Zu Verbindungsabbrüchen kommt es im Sichtflug erst ab knapp 20 Metern Entfernung.

Nach etwa sieben bis acht Minuten ist der Flugspaß vorbei. Bereits bei rund zehn Prozent Restkapazität wird eine rote Akku-Warnung in der Freeflight 3 App eingeblendet. Man sollte dann einen geeigneten Landeplatz ansteuern. Bei etwa drei Prozent landet die Drohne automatisch, egal, was sich gerade unter ihr befindet. Ansonsten landet man per Knopfdruck oder durch Absenken der Motordrehzahl.

Akkuwarnung der Freeflight App3 des Parrot Rolling Spiders

Die Unterseite des Rolling Spiders ist nach maximal acht Minuten Flugzeit ohne Räder und etwa sechs Minuten mit Rädern mit 42,3 °C recht heiß. Die Motoren erreichen mit 32,5 °C dagegen eine akzeptable Temperatur. Wer einen Zweit-Akku besitzt, sollte die Drohe vor einem erneuten Start abkühlen lassen, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Drohnies und mehr

Im Bauch des Rolling Spiders ist eine VGA-Kamera eingebaut, die Fotos mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln nach unten hin aufnimmt. Um von sich selbst ein Drohnie zu machen, muss der Auslöser manuell gedrückt werden. Blind gelingt das während des Fliegens kaum, weil der Auslösebutton sehr klein ist. Es ertönt auch kein Auslösegeräusch, sodass man nicht weiß, ob eine Aufnahme geklappt hat. Das Fotografieren funktioniert in allen drei Steuerungsmodi.

Kamera des Parrot Rolling Spiders

Die Fotos werden entweder drahtlos per Bluetooth auf das iPhone, iPad oder Android Device übertragen oder via USB auf einen Mac oder PC. Die Übertragung per Bluetooth erfolgt über die Freeflight 3 App. Das entsprechende Aufklapp-Menü befindet sich etwas versteckt in der Hauptansicht in der oberen linken Ecke.

Zugriff auf die Fotos des Parrot Rolling Spiders

Fotos können einzeln markiert und in einem Rutsch auf das iPhone, iPad, Android Smartphone oder Tablet übertragen oder gelöscht werden.

Fotos vom Parrot Rolling Spider heurunterladen und löschen

Um die Fotos direkt auf einen Mac oder PC zu überspielen, schließt man den Rolling Spider über USB an. Die Drohne ist dann wie ein USB-Speicher ansprechbar.

Die Qualität der Fotos ist miserabel, was nicht nur an der geringen Auflösung liegt. Die Farben sind verfälscht, die Aufnahmen auch bei guten Lichtverhältnissen verrauscht. Innenaufnahmen bei wenig Licht sind nicht zu gebrauchen.

Beispielfoto der Kamera des Parrot Rolling Spiders

Videos nimmt die integrierte Kamera nicht auf. Der Videoaufzeichnungsknopf in der Freeflight 3 App aktiviert die Videoaufzeichnung der Kamera im Steuergerät. Damit man gleichzeitig fliegen und Aufnahmen machen kann, wird das Videobild in der Freeflight 3 App angezeigt. Da der Quadcopter im Normal- und Ass-Modus über die Bewegungen des Steuergeräts gesteuert wird, ist eine Videoaufzeichnung nur im JoyPad-Modus möglich. Wirklich praktikabel sind diese Drohnenvideoaufnahmen aber nicht: Den Rolling Spider während des Steuerns einzufangen, gelingt nicht besonders gut. Die Aufnahmen sind häufig verwackelt.

Videoaufzeichnung Freeflight 3 App mit dem iPhone

Ersatzteilversorgung

Der Rolling Spider Quadcopter entpuppte sich im gesamten Test als sehr haltbar. Kollisionen und Abstürze steckte die gesamte Konstruktion schadlos weg. Mit der Zeit werden jedoch die Propeller in Mitleidenschaft gezogen. Kleine Kerben im Profil sind noch das Mindeste, im ungünstigen Fall verziehen sich die Rotorblätter. Das führt zu Unwucht und kann langfristig die Motoren beschädigen. Parrot bietet im eigenen Shop einen Ersatz für jedes Bauteil an. Die Preise sind moderat und nur für die empfindlichen Propeller mit knapp 5 Euro pro Satz unverschämt hoch. Unverständlich ist, warum der französische Hersteller in seinem deutschen Shop deutlich höhere Preise nimmt als im französischen, belgischen und niederländischen Shop.

Ersatzteilpreise Parrot Rolling Spider niederländischer Shop

Ersatzteilpreise Parrot Rolling Spider deutscher Shop

Für einen Motor müssen deutsche Kunden 9,99 Euro statt 7,99 Euro bezahlen. Das zieht sich durch alle Ersatzteile außer bei den Propellern durch. Besonders unverschämt fällt die Preiserhöhung bei der Hauptplatine aus: Im deutschen Shop kostet sie 69,99 Euro, während die europäischen Nachbarn lediglich 49,99 Euro zahlen müssen. Möchte man einen Zweitakku anschaffen, werden statt 13,99 Euro ganze 16,99 Euro fällig. Dazu kommen nochmal gesalzene Versandkosten. Hier sollte Parrot überlegen, ob im Euroraum nicht einheitliche Preise gelten sollten. So macht es den Eindruck, als sollen deutsche Kunden mehr zahlen als andere.

Fazit

Der Rolling Spider macht richtig Spaß! Voraussetzung dafür sind Geduld und ein ruhiges Händchen. Trotz Vorerfahrung mit Helikopter-Flugmodellen hat es etwa sechs Akkuladungen und zig abgemähte Palmenblätter gebraucht, bis der Quadcopter beherrscht wurde. Die Steuerung über das iPhone hat ihre Tücken, weil ein haptisches Feedback über den Touchscreen fehlt. Beim iPad fällt die Steuerung zusätzlich zäh aus. Man sollte Apples Tablet nicht zur Steuerung verwenden.

Parrot Rolling Spider mit roten Augen

Ein paar Probleme liegen in der Drohnen-Hardware selbst. Der Ultraschall-Sensor arbeitet nicht besonders präzise, die Stabilisierungselektronik nicht immer zuverlässig. Steuert man nicht schnell genug nach, schmiert die Drohne ab. Ähnliches gilt bei Flips, die in einen unkontrollierten Absturz enden können. Zumindest ist der Rolling Spider stabil gebaut. Außer den Propellern dürfte nichts kaputt gehen. Die gibt es für 5 Euro pro Satz. Das ist zu viel für ein bisschen Plastik. Deutschen Kunden greift Parrot bei den Ersatzteilen ohnehin deutlich tiefer in die Tasche als den europäischen Nachbarn. Warum bis zu 20 Euro pro Ersatzteil mehr gezahlt werden soll, ist nicht nachvollziehbar.

Nicht nachvollziehbar ist auch die schlechte Dokumentation des Quadcopters. Hier steuert Parrot immerhin schrittweise nach und veröffentlicht unter anderem Hilfevideos. Die Informationen sind allerdings sehr verstreut auf der Webseite im Support-Bereich, auf YouTube oder im Parrot-Blog zu finden. Manche wichtigen Infos, wie etwa zum Firmware-Update oder zum richtigen Laden des Akkus, gibt Parrot erst gar nicht. Der Anwender muss das Kleingedruckte auf dem Akku lesen, um keinen Aufladefehler zu begehen, der Elektronik und den Akku schädigen sowie die Flugzeit verkürzen könnte.

Parrot Rolling Spider von unten

Die Flugzeit fällt mit knapp acht Minuten kurz aus, denn der Akku hat nur eine geringe Kapazität. Ein Ersatzakku ist also nahezu Pflicht.

Seitenansicht Parrot Rolling Spider mit Rädern

Die Räder sind ein nettes Gimmick. Wer glaubt, wie im Werbevideo durch die Wohnung fahren, unter der Decke und an Wänden entlang rollen und dabei das Fahrwerk abwerfen zu können, dürfte schnell enttäuscht sein. Das Fahrwerk lässt sich nicht abwerfen und selbst mit viel Übung sollten solch rasanten Flug- und Rollmanöver kaum möglich sein. Die Schnitttechnik im Video macht es möglich. Wer seine Erwartungen aber etwas herunterschraubt und die Parrot Mini Drone Rolling Spider innerhalb geschlossener Räume einfach nur fliegen lassen möchte, der erhält für knapp 100 Euro ein ordentliches Fluggerät mit deutlich weniger Macken als andere Mini-Drohnen zum gleichen Preis.